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Im Hafen der Ehe abtakeln oder in ein erfülltes Abenteuer auslaufen? Teil I  

Das geläufige Bild des Ehehafens spiegelt wider, was in vielen Ehen normalerweise abläuft: Sie laufen gemeinsam als glückliches Paar in den Hafen der Ehe ein und feiern begeistert den schönsten Tag Ihres Lebens. Den Hochzeitstag so zu deklarieren eröffnet die Frage, was danach noch kommen kann – denn die Zeit nach dem schönsten Tag im Leben kann per Definition nur noch schlechter werden. Günstiger wäre, wenn Sie mit der Eheschließung als Paar per Deklaration den Beginn der schönsten Zeit Ihres gemeinsamen Lebens starten. Der Hochzeitstag wäre dann nicht der schönste Tag im Leben, sondern der Beginn der schönsten Zeit Ihres gemeinsamen Lebens. Ist das nicht ein wesentlich attraktiverer Start?

Wie um den Hochzeitstag nun auch wirklich zum schönsten Tag ihres Lebens zu machen, takeln viele Paare tatsächlich im Laufe der Zeit immer mehr ab, bis aus dem zuvor überglücklichen Paar nur noch unzufriedene Singles in Partnerschaft und gestresste Eltern werden, die sich ein attraktiveres, besseres Leben herbeisehnen. Für das Befriedigen dieser Sehnsucht sind drei Möglichkeiten beliebt – von denen jedoch keine funktioniert. Der erste Ausweg scheinen die Affäre oder der Seitensprung zu sein. Wobei der Begriff Seitensprung schon verdeutlicht, dass zwar mal etwas zur Seite gesprungen, aber der alte Trampelpfad der sehnsüchtigen Langeweile nicht wirklich verlassen wird, egal wie heiß die Affäre ist.

 

Boot-Hopping ist unbefriedigend

Nachgewiesenermaßen geht ein Drittel der Ehemänner und Ehefrauen fremd. Sie hoffen, mit gelegentlichem Boot-Hopping in Form eines Seitensprungs oder einer Affäre das Abenteuer leben zu können, was ihnen in der Ehe abhanden gekommen ist. Dass sie dieses Abenteuer mit dem vollständigen Verlust von Vertrauen und wahrer Nähe zahlen, wird ihnen oft zu spät bewusst. Wenn der betrogene Partner diesen Seitensprung bemerkt, läuft es häufig auf eine Trennung hinaus, da er den Vertrauensverlust nicht vergeben kann und will.

Bleiben Sie als Paar zusammen, laufen Sie Gefahr, dass aus der zuvor gepflegten Langweile eine unterschwellig feindselige Distanz wird, in der Sie beide verlieren – ein Leben in Rache. Sollte Ihr Partner den Seitensprung nicht bemerken, schleicht sich ihm gegenüber eine unterschwellige Verachtung ein. Sie unterstellen Ihrem Partner unwillkürlich, dass er Sie nicht wirklich liebt, denn sonst würde er doch die Veränderung des Verhaltens durch den Seitensprung als auch die immer größer werdende Distanz bemerken. So können Sie dem Partner geschickt zumindest eine Teilschuld an der distanzieren Beziehung zuweisen. Besser fühlen Sie sich trotzdem nicht und auch Ihre Sehnsucht bleibt unerfüllt. So fehlt Ihnen beiden genau das, was Sie sich am meisten wünschen: wirkliche emotionale, körperliche und geistige Nähe, Intimität und Verschmelzung.

Hinzu kommt, dass Sie sich durch Ihr Lügen und Betrügen immer mehr selbst ablehnen. Da scheint dann der Griff zur Flasche eine Lösung, die etwas Linderung bringt. Zumindest bis zum nächsten Morgen. Sollte auch sonst niemand mehr da sein, wachen Sie zumindest neben einem Kater auf. Ist es möglich, dem Partner einen Seitensprung zu vergeben und sogar eine bessere Qualität als vorher zu erschaffen? Ja. Wir haben das bei vielen Paaren in unseren Contextuellen BeziehungsTrainings erlebt. Ist das leicht? Nein. Aber es lohnt sich. Garantiert.

 

Mit der Scheidung löst man sich vom Partner, nicht vom Problem

Ein weiteres Drittel der Paare verlässt das Boot durch eine Scheidung, darauf hoffend, dass es ohne Partner besser wird. Interessanterweise werden Scheidungen in der Mehrheit von Frauen eingereicht. Sie hoffen, dass ihr Leben ohne das große KindMannleichter wird und dass sie sich nun besser selbst verwirklichen können. Sie müssen jedoch feststellen, dass sie das Schiff Familie alleine nur unter großem Verzicht jeglicher Selbstverwirklichung und mit Überforderung steuern können. So laufen sie irgendwann erschöpft wieder in den Hafen ein und docken an ihrer Herkunftsfamilie als vermeintlich sicherem Ersatzhafen an. Sicher deshalb, weil sie dort zumindest in der Vergangenheit für längere Zeit überlebt haben und die Beziehungen zu den Familienmitgliedern der Ursprungsfamilie im Gegensatz zum Ehepartner unkündbar sind.

Viele Paare scheuen von Anfang an das Risiko, sich vollständig auf eine kündbare Partnerschaft mit einem kündbaren Partner einzulassen und mit ihm auf hohe See hinaus zu segeln. Die weitaus Meisten haben vor ihrer Ehe schon mal eine Trennung durchlebt, und viele haben sich dann auf die Unterstützung der Herkunftsfamilie verlassen können. So kann die Hintertür der Herkunftsfamilie wie ein gefährlicher Spaltpilz für Sie und Ihren zukünftigen Partner wirken, weil sie wie ein Sog wirkt, der eine Trennung zu erleichtern scheint. Wenn Sie jedoch den neuen Kontinent einer erfüllten Ehe erkunden wollen, müssen Sie alte Verletzungen mit vorherigen Partnern vollständig heilen und das Ufer des bisher Vertrauten verlassen. Diese Hintertür zu schließen scheint ein großes Risiko, aber wie heißt es doch so schön: no risk, no fun. Oder neu gedacht: keine Ergebnisse ohne Risiko.

Stattdessen suchen und finden Viele den nächsten Partner, der all Ihre unerfüllten Sehnsüchte erfüllen soll – was die neue Partnerschaft von Anfang an mit den zerstörten Träumen der vorherigen Partnerschaft und überzogenen Ansprüchen überfrachtet. Das ist wohl einer der Gründe, dass die Scheidungsrate bei Zweit-Ehen doppelt so hoch wie bei Erst-Ehen ist. Hinzu kommt, dass das mentalemotionale System, das zu den Problemen mit dem vorherigen Partner geführt hat, nicht grundlegend aufgelöst wurde, so dass dieses garantiert bei der ersten Störung mit dem nächsten Partner wieder einsetzt.

Hat die Frau ihren alten Partner als langweilig oder verweichlicht tituliert, so ist der jetzige entweder genauso und sie startet das Männerumerziehungsprogramm wieder neu – was der Anfang vom Ende ist. Oder aber er ist das genaue Gegenteil, und dann empfindet ihn sie irgendwann als zu dominant – was sie auch ablehnt. Nun sind die Meisten ratlos, da die alte Ehelandkarte auch in der neuen Ehe zur Trennung zu führen scheint.

Für Ihre Ehe brauchen Sie keine Landkarte , damit können Sie sich auf dem offenen Meer nicht zurechtfinden. Was Sie brauchen, ist eine Seekarte und die Absicht, aus dem Hafen der Ehe auszulaufen, um gemeinsam auf hohe See hinaus zu segeln. Der Vorteil davon ist, dass auf hoher See niemand aussteigen kann und Sie auch noch die Mannschaft vergrößern können. Dazu müssten Sie das Risiko eingehen, in einem gemeinsamen Boot vereint sämtliche Stürme zu meistern und die Sicherheit nicht im Hafen zu suchen, sondern mit Ihrem Partner zu erschaffen. Dafür gilt es einige Bedingungen zu erfüllen: Eine Kernbedingung ist, ihr oder ihm vollständig zu vertrauen. Immer und immer wieder.

Dem steht im Wege, dass Viele ihre Partnerschaft schon mit Misstrauen gegenüber dem anderen Geschlecht starten: sei es aus Erfahrungen bei oder mit den Eltern, tradierten Standpunkten des jeweiligen Elternteils darüber, tradierten gesellschaftlichen Standpunkten, früheren Paarbeziehungen oder allgemeinen eigenen Erfahrungen. Dieses Misstrauen spielt interessanterweise in der Verliebtheitsphase keine Rolle – Liebe ist stärker als Misstrauen. Misstrauen wird erst wieder aktiviert, sobald es die erste Unterbrechung und damit verbundene Enttäuschung gab, die das Ende der Verliebtheitsphase einläutet. Zunächst ist das Misstrauen nur ein kleiner Giftpfeil, aber das Gift beginnt, kontinuierlich seine Wirkung zu entfalten.

Eine weitere Bedingung ist, die Hintertür vollständig zu schließen. Würden Sie Ihrem Partner gegenüber deklarieren: Wie bleiben entweder erfüllt zusammen, oder wir bleiben erfüllt zusammen? Wenn ja – dann haben Sie eine gute Chance, sämtliche Stürme zu meisten, gestärkt aus ihnen hervor zu gehen und die Qualität Ihrer Partnerschaft immer weiter zu steigern. Wenn nein – dann haben Sie schon jetzt eine Hintertür auf. Finden Sie heraus, welche das ist und schließen Sie diese. Ihre Kinder werden es Ihnen danken.

Die dritte Lösung, die Menschen wählen, um der unerfüllten Langeweile zu entfliehen, hat das gesellschaftliche Problem der Vereinsamung zur Folge. Dazu mehr im Folgeartikel …

© Maria & Stephan Craemer

 

Sie wollen eine dauerhaft Erfüllte Partnerschaft statt unerfüllter Sehnsucht:

Das Beziehungs Training

 

Mehr Input zur praktischen Umsetzung der Contextuellen Philosophie:

Denkwandel