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Auf den Verzicht verzichten

Neulich gingen wir mit Bekannten essen, und einige bestellten sich ein großes Schnitzel. Gut gewürzt, genau richtig durchgebraten. Als unser Essen kam, fragten sie mich, wie es für mich sei, auf Fleisch zu verzichten. Ich schaute verwundert von meinem Knödel in Pfifferlingsrahmsauce hoch und sagte nur: Ich verstehe die Frage nicht. Ich esse seit über vierzig Jahren kein Fleisch. Für mich ist kein Fleisch zu essen kein Verzicht. Im Gegenteil, wenn ich jetzt das Schnitzel essen müsste, wäre das eine Strafe.  

Was dem einen ein ersehntes Erlebnis, ist für den anderen eine Bestrafung. Zum Beispiel auch bei einer Kreuzfahrtschiff. Darf man sich diese trotz aller ökologischen Einwände gönnen, weil man sich das schon so lange gewünscht hat? Ist es denn überhaupt erstrebenswert, mit Tausenden von Menschen auf engem Raum eingepfercht zu sein? Das Wasser zu sehen, aber die Wellen nicht zu spüren? Das Meer wahrzunehmen, aber das Salz nicht zu riechen? Eine Stadt in Massen zu besuchen, aber sie nicht wirklich zu erkunden? Viele würden aus genau diesen Gründen nie eine Kreuzfahrt buchen.

Ist für Sie der Verzicht auf einen Langstreckenflug eine Frechheit oder wäre ein  Langstreckenflug eher eine Höllenqual? Wäre es für Sie ein Verzicht, kein Affenhirn essen zu dürfen? Nein? Für einige Chinesen schon. Die spinnen auch, die Chinesen? Nun, genau das denken Inder über uns, wenn wir Rindfleisch essen. Ja, aber was ist mit Autofahren? Das sollte man sich doch leisten dürfen. Natürlich ist das Auto als Fortbewegungsmittel eine geniale Erfindung, wenn man sich damit auch fortbewegt. Weltweit gibt es allerdings mehr Menschen, die nie ein Auto haben oder haben werden und es auch nicht vermissen. Es gibt somit keinen Verzicht an sich, außer in Ihrem Kopf.

 

Verzicht im Mangelbewusstsein ist eine Strafe                               

Im Mangelbewusstsein fühlt man sich vom Verzicht so bedroht, dass die Befriedigung der vermeintlichen (Überlebens-)Bedürfnisse immer unerfüllbarer, die Gier immer maßloser und die Feindseligkeit immer stärker wird. So wird das Wissen um die überlebensbedrohliche Klimakrise verleugnet oder beschönigt und konsequent gegensteuerndes Handeln so weit wie in die Zukunft verschoben, dass man es selbst nicht mehr erleben muss. Der übertriebene Konsum wird als scheinbar lebenswichtiges Bedürfnis selbst auf Kosten der Ressourcen für die nächsten Generationen verkauft. Dieser Konsumzwang wird weiterhin die Taschen rücksichtsloser und ausbeuterischer Großkonzerne stopfen, aber Ihren gefühlten Mangel nie füllen.

 

Verzicht im Füllebewusstsein ist eine Bereicherung            

Im Füllebewusstsein steht die Erfüllung aller an erster Stelle. Sie werden nicht wie ein schreiendes Baby auf sofortige Bedürfnisbefriedigung bestehen, sondern sich sogar beschwingt fühlen, für die nächste Generation ökologische Alternativen gefunden zu haben. Allein das Forschen danach wird Sie bereichern, weil Sie einen Unterschied machen wollen, egal wie groß er ist. Sie inspirieren auch andere, mit weniger Konsum mehr Lebensfreude zu erschaffen. Im Füllebewusstsein ist Ihr ressourcenschonendes Verhalten kein Ausdruck von Mangel, da Sie Ihre Erfüllung und ihre Gefühle nicht mehr von äußeren Umständen abhängig machen. So wird eine Bootstour im Heimatland genauso erfüllend sein wie eine Kreuzfahrt oder eine Fernreise. Dann sind Sie wirklich frei.

 

Downgrade ist das neue Upgrade

Das, was wir in den westlichen Ländern als inakzeptablen Verzicht fühlen, ist in den meisten Ländern ein Luxus, den viele Menschen nie hatten oder je haben werden. Unsere Politiker lassen sich jedoch manipulieren von der extremen Feindseligkeit und Verweigerung, mit der Menschen auf Einschränkungen und Verbote zur Klimarettung reagieren. Statt dass weitreichend wirksame, wenn auch unpopuläre Maßnahmen (z. B. striktes Verbot von Massentierhaltung) beschlossen werden, gibt es einen weiteren wirkungslosen Streichelbeschluss: Ich tu‘ niemandem weh, dann wählt mich wieder. Dann sind meine Diäten gesichert und irgendwie auch deine Kreuzfahrt.

Politik muss sich am Machbaren orientieren, hieß es. Und wenn das Machbare zur Wiederherstellung und zum Erhalt eines gesunden Weltklimas bei Weitem nicht ausreicht? Dann beim Machbaren bleiben und untergehen, oder die Fackel des notwendig erforderlichen hochhalten, selbst wenn dabei Vielen der Verweigerungsbart versengt wird? Fridays For Future hat einen Teil der Gesellschaft schon Mal wieder in Bewegung gesetzt. Das war das letzte Mal während der Anti-AKW-Bewegung vor 40 Jahren der Fall. Jetzt sind die meisten AKW`s zumindest in Deutschland abgeschaltet, auch wenn das damals niemand für möglich gehalten hat und es massiven Widerstand gab. Dann muss es auch möglich sein, für die umweltschädlichen Kohlekraftwerke Alternativen zu finden.

 

Steht die Menschheit wirklich an einem Abgrund?
Wenn ja, dann muss uns bewusst sein, dass wir uns nur kollektiv vom Abgrund entfernen können, indem wir aus einem Füllebewusstsein heraus verzichten auf das, was uns in den Abgrund führt. Wenn wir das nicht schaffen, dann ist es schlimmer wie ein Krieg, da es am Ende keine Sieger und Verlierer geben wird, sondern nur noch Verlierer. Niemand wird dann siegen.

Und was, wenn wirklich alles ein Hoax ist? Tja dann haben wir völlig umsonst eine schöne Welt erschaffen: Haben Alternativen zu fossilen Brennstoffen – den Regenwald erhalten – innovative grüne Jobs – weltweit sauberes Wasser & saubere Luft – Plastikmüll um 80% reduziert – gesündere Kinder – eine lebenswerte Natur … Was ja nun auch nicht soooo schlimm wäre!

© Maria & Stephan Craemer

 

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