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Die Kunst seine Arbeit zu lieben

Die meisten von Ihnen kennen wahrscheinlich die Parabel vom zufriedenen Fischer und belehrenden Unternehmer. Verkürzt dargestellt geht sie so: In einem kleinen Mittelmeerhafen liegt ein ärmlich gekleideter Fischer in seinem Boot und döst. Ein gut gekleideter Unternehmer kommt daher und beginnt ein Gespräch. Wie viele Fische er denn so gefangen habe, fragt der Unternehmer den Fischer. Nicht allzu viele, antwortet der Fischer, aber er sei mit seinem Fang zufrieden. Der Unternehmer erzählt enthusiastisch, was der Fischer alles erreichen könnte, wenn er mehr Fische fangen und mehr verdienen würde. Er könnte Karriere machen, von dem Geld ein zweites Fischerboot kaufen, andere Fischer einstellen und noch mehr Geld verdienen. Irgendwann würde er so reich werden, dass er sich bequem zur Ruhe setzen und im Hafen dösen könnte. Da entgegnet der Fischer milde lächelnd: „Das kann ich jetzt auch schon“.            Aus dem Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky

Diese Parabel gibt es mit dem erfolgreichen Unternehmer oder auch mit der gönnerhaften Touristin, im Mittelmeer oder auf Hawaii. Die Moral ist immer: Der Fischer lebt im Hier und Jetzt, ist glücklich und weise. Der Unternehmer jagt nur dem Geld hinterher, ist gestresst und ein Depp. Heinrich Böll nutzte diese Parabel, um zu mahnen, dass der Mensch nicht lebt, um zu arbeiten, sondern arbeitet, um zu leben. An dieser Stelle widersprechen wir Herrn Böll und lassen einmal die Touristin und den Unternehmer zu Wort kommen, um dem Fischer zu antworten. Zu erst die Lehrerin:

Ich bin eine erfolgreiche Lehrerin. Mein Erfolg misst sich nicht am Geld, obwohl ich gut verdiene, sondern am Erfolg der Schüler. Meine Arbeit ist manchmal schwer und herausfordernd, manchmal beschwingend und inspirierend. So zum Beispiel, wenn die Schüler Interesse an einem schwierigen Fach gewinnen und erkennen, dass es ihnen neue Sichtweisen eröffnet; wenn sie sich durch schwieriges Material durchkämpfen und nicht aufgeben; wenn sie Freunde finden, mit denen sie durchs Leben gehen; wenn sie sich bei mir auch nach Jahren bedanken, weil ich an sie geglaubt habe; wenn sie stolz sind, etwas trotz ihrer Ängste vollbracht zu haben.

Ob ich mir an der Schule Einiges anders wünsche? Natürlich, und dafür setze ich mich ein. Ich bin beliebt als Lehrerin, weil ich schon vieles anders als üblich mache. Ob ich dadurch den Neid der Kollegen auf mich ziehe? Ja, und ich lerne damit umzugehen. Würde ich manchmal gern wie Sie einfach allein am Strand liegen und nur meine Ruhe haben? Ja, natürlich. Besonders nach einem anstrengenden Jahr. Doch ist selbst das im Familienurlaub nicht so leicht, da ich mich dann um meine Kinder kümmere. Aber wenn sie zu mir kommen, mich umarmen und sich freuen, dann bin ich trotz allem immer wieder voller Liebe und fühle mich gesegnet, mit ihnen zu sein. Würde ich gern einen romantischen Urlaub nur mit meinem Mann verbringen? Natürlich, und wir gönnen uns immer Mal wieder zu zweit einen Kurztrip.

Ich leiste zur Gesellschaft meinen Beitrag in Form von gezahlten Steuern. Ob mir das gefällt? Nicht immer, zumal mir die Verwendung und Verschwendung des Geldes missfällt. Aber ich bin Teil der Gesellschaft und profitiere von ihr. Mein Mann ist Unternehmer, was nicht immer leicht ist, aber ich freue mich, dass er seinen Traum verwirklicht. Brauchen wir das viele Geld? Nein, aber es ermöglicht zum einen unseren Kindern eine gute Ausbildung, und zum anderen können wir unsere Eltern finanziell unterstützen, die ihr ganze Leben hart gearbeitet haben und nun von einer kleinen Rente leben müssen. Sehr erfüllend, ihren Lebensabend verschönern zu können.

Würde ich mein ganzes Leben wie Sie am Strand verbringen wollen, damit ich all diese Pflichten nicht mehr erfüllen muss? Nein! Auf keinen Fall! Das wäre mir zu langweilig und zu einseitig. Ich lebe für meine Arbeit. Ich liebe meine Arbeit. Ich liebe mein Leben.

Als zweites der Unternehmer:
Ich bin ein erfolgreicher Unternehmer mit zwanzig Angestellten. Es war immer mein Traum, eine eigene Firma zu haben, etwas zu bewirken mit meinen Seminaren. Natürlich bin als Unternehmer auch an Grenzen gestoßen. Enttäuschungen waren heftiger als gedacht, aber die Anerkennung auch nachhaltiger. Der Gegenwind war stärker als erwartet, aber die Zustimmung auch bewegender als vermutet. Der Erfolg war schwerer zu verwirklichen als gedacht, aber einen Traum verwirklichen zu können, war auch berührender als erträumt.

Ich bin nie dem Geld hinterher gejagt, aber habe lernen müssen, dass man als Unternehmer nicht von der Hand in den Mund leben kann. Ich muss schon rein steuerrechtlich Gewinne machen, sonst wird meine Firma geschlossen. Ich muss Geld zurücklegen, falls Mitarbeiter ausfallen, ich krank werde, die Auftragslage sich verschlechtert oder aber Investitionen getätigt werden müssen. Zudem fühle ich mich den Mitarbeitern gegenüber verpflichtet, dass ich so wirtschafte, dass ich auch in schweren Zeiten ihr Gehalt überweisen kann.

Ob ich manchmal vor lauter Begeisterung, aber auch wegen Sorgen über meine Arbeit die wichtigsten Menschen vernachlässige? Ja. Und ich bin meiner Frau dankbar, dass sie mich stoppt, auch wenn es mir nicht immer gefällt. Ich bin meinen Kindern dankbar, dass sie mir den Sinn des Lebens zeigen. Bereue ich etwas? Nein, ich habe gekämpft, gelernt, geliebt, mich weiterentwickelt, neue Wege erkundet, bin gefallen und wieder aufgestanden, wurde beneidet und bewundert.

Würde ich mit Ihnen tauschen wollen? Nein! Wenn, dann nur für kurze Zeit, wissend, dass ich wieder in mein erfülltes Leben gehen kann. Ich Übrigen würde ich Sie als Fischer niemals ungefragt belehren wollen, wie Sie ein erfolgreicher Unternehmer werden können. 

Ich lebe für meine Arbeit. Ich liebe meine Arbeit. Ich liebe mein Leben.

Die Parabel vom Fischer beschreibt nur These und Antithese: arm und glücklich im Hier und Jetzt beim Müßiggang oder reich und unglücklich im materiellen Hamsterrad. Wir erlauben uns eine Synthese: Sie können erfolgreich und erfüllt Ihr Leben erschaffen. Erfolgreich zu sein, heißt nicht nur die Millionen auf dem Konto, sondern auch eine Familie zu gründen, sich den Anforderungen des Berufs zu stellen, Freundschaften zu pflegen, sich neuen Herausforderungen zu stellen, für andere einen Unterschied zu bewirken. Erfüllt zu sein, heißt nicht immer nur glücklich und gut drauf zu sein. Sondern es bedeutet, gerade in schwierigen Zeiten, wenn Leben anders läuft als gedacht, wenn Probleme auftauchen, wenn Leid passiert, sich nicht davon überwältigen zu lassen, sondern in einem erfüllten Modus zu bleiben, im Wissen, dass Sie und niemand sonst Urheber Ihrer Gefühle sind.

© Maria & Stephan Craemer

 

Was würden Sie dem Fischer sagen? Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

 

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